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Foto: Nick Bobby
 

Im englischen Sprachgebrauch verwendet man für Palliativmedizin den Begriff Palliative care, um die Bemühungen des gesamten multidisziplinären Teams aus Ärzten, Pflegenden, Seelsorgern, Sozialarbeitern, Psychologen, Physiotherapeuten und ehrenamtlichen Helfern in der Betreuung schwerkranker Menschen zu bezeichnen. Man unterscheidet aber dort die Begriffe 'Palliative care' und 'Palliative medicine'. Letzterer stellt die ärztlichen palliativmedizinischen Maßnahmen dar.

Ärztliche Betreuung der Schwerstkranken gehört zu den wichtigsten Bestandteilen der multiprofessionellen Arbeit auf der Palliativstation. Im Gegensatz zum Betreuungskonzept in einem stationären Hospiz, das als eigenständige Einrichtung funktioniert, ist die Palliativstation in das Krankenhaus integriert, so dass alle diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten für den Patienten zur Verfügung stehen.

Das oberste Ziel der Palliativmedizin – das Erreichen der bestmöglichen Lebensqualität – ist ohne Verbesserung seiner aktuellen Situation (sog. Symptomkontrolle) und Linderung der aufgetretenen Beschwerden nicht möglich.

So behandeln wir kompetent und konsequent folgende Symptome, die im Laufe der Erkrankung oder in Folge deren Behandlung auftreten:

  Schmerzen
  Übelkeit, Brechreiz
  Schwäche
  Anorexie
  Mundtrockenheit, Durst
  Verstopfung bzw. Diarrhoe
  Luftnot
  Schwitzen
  Schluckbeschwerden
  Juckreiz
  Anämie
  Dermatologische Symptome wie Dekubitalgeschwüre
  Krämpfe
  Schlafstörungen
  Verwirrtheit, Desorientiertheit usw.

Eine wirksame und konsequente Behandlung quälender Symptome ist die wesentliche Voraussetzung für die Lebensqualität im Angesicht einer chronisch fortschreitenden Erkrankung.

Bei den Patienten, die auf unsere Palliativstation aufgenommen werden, werden die Symptome in Form eines standardisierten Fragebogens abgefragt. Die Therapie wird gezielt je nach vorhandenen bzw. angegebenen Symptomen eingeleitet.

Meist gelingt es uns mit den vorhandenen Therapiemöglichkeiten, eine signifikante Linderung der Beschwerden schon im ersten Behandlungsansatz zu erreichen. Das Ziel einer solchen symptomorientierten Behandlung ist eine völlige Beschwerdefreiheit.

Berücksichtigt werden folgende Grundsätze, um eine wirksame und umfassende Symptomkontrolle zu erreichen:

  Klärung der Symptomursache; wenn mehrere Faktoren für
    die Entstehung des Symptoms verantwortlich sind,
    so können die einzelnen differenziert und behandelt werden.

  Kausale Symptomtherapie (d.h. Behandlung der Ursache) stellt
    eine der wirksamsten Symptombehandlungen dar.
    Vorausgesetzt wird aber eine besonders kritische Abwägung
    der realistischen Behandlungschancen, der zu erwartenden
    Therapiewirkungen und Belastungen für den Patienten.
    Dabei entscheidet letztendlich der Patient, ob es für ihn sinnvoll ist,
    weiter sog. kurative Maßnahmen auszuschöpfen oder sich auf
    eine rein symptomatische lindernde Behandlung zu beschränken.

  Unsere Therapie ist individuell. Zwar richten wir uns nach den
    bekannten Richtlinien, Schemata und Stufenplänen, stellen aber
    für jeden Patienten nach Eruieren der Symptom-Checkliste
    eine individuelle Therapie zusammen.

  Die Behandlung ist streng symptomorientiert,
    d.h. es wird Therapie bei Beschwerden eingeleitet,
    die vom Patienten als belastend eingestuft werden.
    Bei Symptomen, die den Patienten nicht belasten
    (die nur erträgliche Einschränkungen verursachen),
    müssen oft keine aufwendigeren Therapien eingeleitet werden.

  Die Therapie, die von uns eingeleitet wird, ist auf den Erhalt
    der bestmöglichen Lebensqualität und größtmöglichen
    Unabhängigkeit (Autonomie) des Patienten ausgerichtet.
    Dabei legen wir einen großen Wert darauf, dass eine
    weitgehende Förderung und Einbeziehung der möglichen
    eigenen physischen und geistigen Aktivität ihren Einsatz findet.

  Insbesondere in der Palliativmedizin gilt der Grundsatz,
    die bestmöglichen Ergebnisse mit möglichst geringer Belastung
    für den Patienten zu erreichen. Es wird bei uns vor Beginn
    der Therapie die sog. 'Behandlungsnutzen-zu-Behandlungslast-
    Relation'
kritisch überprüft. Die Therapie, die eingeleitet wird,
    soll für den Patienten ethisch vertretbar sein uns seine oft
    sehr begrenzten Kräfte nicht überstrapazieren.

  Wir sprechen über multimodale Therapieansätze auf der
    Palliativstation. So kommen sowohl konservative (nicht invasive),
    als auch invasive Therapieverfahren zum Einsatz, wobei die
    nicht invasiven Maßnahmen einen Vorrang haben.

Es wäre nicht richtig zu denken, dass in der Palliativmedizin nur konservative Behandlungsmethoden angewandt werden. Auch eine Operation, Durchführung einer Chemotherapie oder Bestrahlung können im Verlauf einer schweren Erkrankung der Linderung der Beschwerden des Patienten dienen. Prinzipiell ist es so, dass diese Therapien unter dem palliativen Behandlungskonzept durchgeführt werden, d.h. dass das Ziel hier weiterhin nicht die Heilung der Grunderkrankung ist, sondern lediglich Linderung der belastenden Symptome.

Zu den nicht invasiven Maßnahmen gehört in erster Linie medikamentöse Therapie. Hier steht uns ein breites Spektrum der Substanzen aller pharmakologischen Gruppen zur Verfügung. Es findet eine regelmäßige Überprüfung der Wirksamkeit der Medikamente bzw. des Wohlbefindens des Patienten statt. Dies veranlasst uns oft, die Medikamente bzw. deren Dosierung im Laufe der eingeleiteten Therapie mehrmals zu verändern.

Reichen die nicht invasiven Therapiemaßnahmen nicht aus (wie z.B. oft bei sog. neuropatischen Schmerzen) bzw. führen sie zur Entwicklung schwerer systemischer Nebenwirkungen, so denkt man an die Möglichkeiten invasiver Verfahren (so wie Magensonde, perkutane Ernährungssonden, Punktionen von Pleuraergüssen uns Aszites usw.). Die Veränderungen in der Behandlungstaktik (wie z.B. Ansatz der invasiven Methoden) werden jedes Mal mit dem Patienten abgestimmt.

Die o.g. Prinzipien gelten auch für die Schmerztherapie, die den wichtigsten Part unserer Behandlungsmaßnahmen darstellt. Hier gilt:

  Anwendung von Selbsteinschätzung
  Anlehnung an das WHO-Schema
  Bevorzugung nicht invasiver Methoden
  'auf den Patienten abgestimmt'
  'zu festen Uhrzeiten'
  'so einfach wie möglich'

Wir benutzen verschiedene Wege der Verabreichung von Schmerzmitteln, nämlich:

  Orale Therapie
  Transdermale Therapie
    (in Form eines Schmerzpflasters)
  Rektaler Weg
  Parenterale Anwendung
    (subkutan oder intravenös)
  Rückenmarksnahe Anwendung
    (z.B. mittels eines periduralen oder spinalen Katheters)

Wenn wir über invasive schmerztherapeutische Methoden sprechen, so kommen auf unserer Station folgende Verfahren der Regionalanästhesie zur Anwendung:

  Paravertebrale Blockaden bzw. Blockaden der peripheren Nerven
    (als einzelne Injektionen oder kontinuierliche Gabe)
  Peridurale Applikation der Lokalanästetika bzw. Opioide
    (im sog. Katheterverfahren mittels eines Perfusors
    oder einer Dauerpumpe)

  Spinale Applikation der Medikamente
    (ebenfalls als Dauermedikation über die Pumpe)

Zu den weiteren palliativmedizinischen Maßnahmen, die ihre Anwendung auf unserer Station finden, gehören u.a.:

  Adjuvante Therapie
    (u.a. Laxantien, Antiemetika, Magenschutz)
  Operative Behandlung (große OPs)
  Drainagen/ Punktionen/ Stents (kleine OPs)
  Hormontherapie
  Bisphosphonate
  Sonstige medikamentöse Therapien
    (u.a. kardiale Medikation, Diuretika)
  Palliative Chemotherapie
  Palliative Radiatio
  Alternativtherapie/ biologische Krebstherapie
  Psychologische Mitbetreuung und Psychotherapie
  Physiotherapie
  Rhythmische Einreibungen

Bei den Rhythmischen Einrebungen (RE) nach Wegmann/ Hauschka handelt es sich um eine pflegetherapeutische Maßnahme, bei der die Patienten ruhig und fließend berührt werden. Die Wirkung wird durch sich rhythmisch verdichtende und wieder lösende Berührungsintensität erzielt. Rhythmische Prozesse haben eine kräftigende und aufbauende Wirkung und helfen, ein gestörtes Gleichgewicht auszugleichen und Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren. Wir haben die Möglichkeit, mit unseren Händen eine Beziehung zum Patienten herzustellen und vermitteln auf diese Weise Wärme und Geborgenheit.


Beim Herausfinden eines optimalen Therapieschemas für jeden konkreten Patienten ist es uns ein Anliegen, dass es auch zu Hause 'funktionieren' soll. Denn unser größtes Bemühen ist es, die Patienten so schnell wie möglich in ihre gewohnte Umgebung zu entlassen. Deshalb soll die eingeleitete Therapie so einfach wie möglich für den Patienten sein. Der Patient bekommt den Medikamentenplan bei seiner Entlassung mit nach Hause. Die Medikation bei Entlassung wird mit dem Hausarzt in einem Telefongespräch besprochen, dabei wird auf mögliche Probleme bei der Weiterbetreuung des Patienten und eine eventuelle Veränderung der Therapietaktik angegangen.

Um eine Kontinuität in der Behandlung unserer Patienten sicherzustellen, bieten wir unseren Patienten die medizinische Betreuung nicht nur stationär, sondern auch ambulant, und zwar in nachfolgend erläuterten Formen:

Im stationären Bereich:
  Betreuung auf der Palliativstation
  Konsiliarischer Palliativdienst im Krankenhaus

Im ambulanten Bereich:
  Palliativsprechstunde
  Mitbetreuung der Patienten zu Hause durch unseren
    Ambulanten Palliativ Dienst, wobei die notwendigen
    Therapieumstellungen zwischen dem Hausarzt und
    dem Palliativmediziner aus dem Krankenhaus besprochen
    werden.

Im geriatrischen Bereich:
  Palliativsprechstunde einmal wöchentlich

Der APD erfüllt die Rolle einer Schnittstelle zwischen dem ambulanten und geriatrischen Bereich. So wird das Konzept der integrierten Versorgung der Palliativpatienten umgesetzt.


 

 

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